Einmal saß ich einer Frau gegenüber, die ich gerade kennen gelernt hatte. Wir unterhielten uns eine Stunde lang. Als mich ein paar Tage später meine Freundin anrief, erzählte ich ihr von dem Treffen. Die Frau sei sehr sympathisch, sagte ich. Sie habe lange blonde Haare, wirke harmonisch, ruhig und sehr weiblich.
Der Zufall wollte es, dass wir uns ein zweites Mal trafen. Diesmal war ich – gelinde gesagt – schockiert, aber nicht über die Frau, sondern über mich. Die Überprüfung meiner Beschreibung ergab nämlich, dass ich bei ihrem Aussehen vollständig daneben gelegen hatte. Die Frau trug keineswegs lange blonde Haare – ihre Haare waren rot und reichten ihr nur bis zum Kinn.
Wie habe ich mich dermaßen irren können? Konnte ich überhaupt noch meiner Wahrnehmung trauen, wenn sich in meiner Erinnerung eine Frisur festgesetzte, die meine Augen gar nicht gesehen hatten? Passierte mir das öfter, nur merkte ich nichts davon?
Mir ließ dieses Ereignis keine Ruhe. Solange ich keinen Grund angeben konnte, was dort mit mir geschehen war, war ich verunsichert. Souverän geht anders.